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Seite 4 „Karlsbader Badeblatt“ Nr. 45 25. Feber 1900 beantragen, es seien dem derzeitigen Theaterpächter jährlich 1. eine weitere Baarsubvention von 2000 fl. (demnach im Ganzen 4000 fl.) zu gewähren und 2. ihm weitere 10.000 Kubikmeter Gas (im Ganzen 30.000 Kubikmeter) unentgeltlich beizustellen. Schließ- lich wurde noch das Einverständnis erklärt, daſs die Sommersaison des Theaters bereits am 10. Sept. geschlossen werde. (Die Früchte des Südens) machen jetzt in den Tagen, da die Herrschaft des Apfels zu Ende geht, besonders ihr Recht geltend. In den Schau- fenstern verdrängen Edelkastanien, Bananen und Ananas, Datteln und Feigen, selbst frische Trauben (die kirschgroßen blauen Malagabeeren) und vor allen Dingen die Apfelsinen unsere heimischen Früchte und bieten für Auge und Gaumen neue Reize. Freilich sind verschiedene der genannten Früchte für Viele unbekannte Dinge. Der Zehnte kann sie kaum genau unterscheiden und genossen hat er sie auch noch nicht. Sie sind nur für theures Geld zu haben und bleiben daher immer Delicatesse. Volksnahrungs- mittel, ähnlich unserem Apfel, wird aber nach und nach die Apfelsine werden. Bei der starken Einfuhr und der Billigkeit des Preises steigert sich der Ver- brauch von Jahr zu Jahr und das mit Recht, denn die Apfelsine ist ein willkommener Lückenbüßer in der Zeit, da unsere heimischen Früchte seltener und daher theurer werden. Lockende Bilder von dem Lande, wo im dunklen Laub die Goldorangen glüh'n, tauchen vor unserem Auge auf, wenn wir die duf- tigen Kinder des Südens sehen. Doch ist die Mehr- zahl der hier genossenen Früchte schon aus nörd- licheren Zonen, von der Riviera, Nizza, Genua und dem Gardasee. Die besten, hier zum Verkauf kom- menden Apfelsinen sind die Messinaer. Freilich er- reichen alle diese Früchte nicht die Süßigkeit, als wenn sie reif in der Heimat genossen werden. Des weiten Versandtes wegen müssen sie schon vor Ein- tritt der völligen Reife gepflückt und verschickt werden und erreichen unterwegs die zum Genusse erforder- liche Reife, ohne jedoch ganz den Wohlgeschmack zu erlangen. Immerhin bleibt die Apfelsine eine von Jedermann begehrte Frucht, die wie alle Obstsorten noch den Vorzug hat, daſs sie sehr gesund ist. Aus dem Gerichtssaale. Unrichtiges Gebaren bei Anmeldungen in der Bezirkskrankeneassa. (E. B.) Karlsbad, am 22. Feber. Franz Orlt war vom 31. Jänner bis inclusive 10. Feber l. J. als Werkführer einer benachbarten Fabrik mit einem Taggelde von 6 Kronen bedienstet. Obwohl Orlt sein Krankengeld von täglich 18 h richtig einzahlte, wurde er seitens der Fabriksbuchhaltung dennoch nur mit 4 K Taggeld bei der hiesigen Bezirkskrankencassa ange- meldet, wodurch es kam, daſs Orlt während seiner 11=tägigen Krankheitsdauer eines Betrages von 13 K 20 h an Krankengeld verlustig ging, Nachdem nun Orlt hierüber die Anzeige mit dem Bemerken erstattete, daſs die Anmeldung des niedrigeren Taglohnes seitens der Firma vorsätzlich geschehen sei, erhob der öffentliche An- kläger, Herr k. k. staatsanw. Functionär Josef Tanzer wider den Fabrikanten die Anklage wegen Uebertretung des Betruges nach § 461 Stg., über welche heute die Hauptverhandlung vor dem Strafrichter, Herrn k. l. Ge- richtsadjunct Emilian Ottmar stattfand. An Stelle des Angeklagten erschien dessen Buchhalter als Bevollmächtig- ter seines Chefs und verantwortete sich dahin, daſs er mit den Anmeldungen der Arbeiter in der Bezirkskranken- cassa betraut sei und die niedrigere Anmeldung des Orit nur auf einem Versehen seinerseits beruhe. Er habe dem Orlt schon wiederholt den Differenzbetrag von 13 K 20 h ersetzen wollen, was dieser aber nicht angenommen habe. Er sei auch heute bereit, sofort den Betrag von 13 K 20 h zu ersetzen Ueber Auftrag des Richters ent- schädigte der Buchhalter den Orlt sofort, worauf der Richter wider die Firma das freisprechende Urtheil verkündete. Petschau, 23. Feber. [E.-B.] (Dreifuß todt.) Durch riesige Affichen war auf einem der letzten Zett- litzer Jahrmärkte die sensationelle Neuigkeit zu lesen, daſs der berühmte Ochse Dreifuß in Zettlitz eingetroffen und öffentlich zur Schau gestellt werde. Das Wunder- thier erhielt seinen reclamehaften Namen infolge seines Geburtsfehlers, indem eine Laune der Natur ihm nur drei statt vier Füße bescherte und dieselbe Schicksals- fügung verhalf ihm nicht nur zu Popularität, sondern zu gutem Futter. Ein Menageriebesitzer eilte mit „Dreifuß“ von Ort zu Ort und überall wurde derselbe als Phäno- men angestaunt und der Name Dreifuß war bald auf unserem Lande in aller Munde, ohne daſs man hiebei an den französischen Monstreprocefs dachte. Dieser Tage hat nun der Tod auch dem dreifüßigen Wunder ein Ende gemacht — einsam und verlassen verfiel er dem Messer eines Fleischers in Prosau bei Tepl, gerade in dem Mo- mente als ein Schmiedmeister aus unserer Gegend den fundus instructus des Menageriebesitzers wegen einer Schuld mit Beschlag belegen wollte. Mit ihm ver- schwindet der Name Dreifuß wieder aus unserer Gegend! Teplitz, 24. Feber. E-B.] (Verschiedenes.) Der gegenwärtige I. Concertmeister unserer Kurkapelle, Herr Josef Rappold, wurde vom 1. Juli d. J. als Solist für das Symphonieorchester des kais russischen Hofkapell- meisters Prof. v. Galkus nach Pawlowsk bei Petersburg engagiert. — In Ploschkowitz wurde der Arbeiter Plazek verhaftet, da dessen eigene Gattin die Anzeige erstattete, daſs er ihr Kind, ein vier Wochen altes Mädchen, ge- tödtet habe. — Im Teplitzer Revier befinden sich gegen- wärtig 1236 Arbeiter im Ausstande. Heute sind 600 Mann angefahren, darunter 130 Häuer. Der Strike wird so bald nicht zu Ende sein. Vermischtes. (Bismarckhass.) Das in Posen zu errichtende Bismarckdenkmal bezeichnet der „Dziennik“ als eine „offene Beleidigung und Herausforderung der gesammten polnischen Bevölkerung. Es werde ein sichtbares Zeichen aller den Polen widerfahrenen schweren Kränkungen sein und jedem Polen in Erinnerung rufen, was er seiner Nation schuldig sei.“ — Tschechen, Polen, Ultramontane und Socialdemokraten — sie sind alle einig im tödtlichen Hasse gegen Bismarck. (Die Postsparcasse in — Japan!) Der „Ostas. Lloyd“ berichtet, daſs Japan das System der Postspar- cassen einzuführen gedenkt, und zwar sollen die Vor- arbeiten seitens des Verkehrsministeriums schon ausge- arbeitet sein und dürften diese im Laufe dieses Monats veröffentlicht werden. (Die Stecknadelprobe heiratslustiger Französinnen.) Seltsame Gebräuche kann man gegenwärtig bei unsern Nachbarn jenseits des Rheins beobachten. Jetzt beginnt die Zeit der Heiligenfeste und da pilgert das Landvolk oft viele Meilen weit zu der Statue dieses oder jenes Heiligen, um von ihm die Er- füllung eines Wunsches, die Genesung von einer Krank- heit oder sonst etwas zu erbitten. Mit einem ganz be- sonderen, allerdings leicht zu errathenden Anliegen nahen sich Schaaren von jungen und älteren Mädchen diesen Heiligen. Bei Sené in der Nähe von Vannes in der Bretagne befindet sich das hölzerne Bildwerk eines Hei- ligen, der unter dem Namen St. Uferier bekannt ist und von dem man glaubt, daſs er alle ihm gegebenen Jung- frauen innerhalb des Jahres verheirathe. Um ihm ihre Verehrung zu beweisen, muss jede Bretonin, die gern einen Mann haben möchte, eine Stecknadel in sein mor- sches Holzpostament stecken. Dringt die Nadel bei dem ersten Stich nicht tief genug ein, so daſs sie wieder her- ausfällt, so geht die Verlobung kurz vor der Hochzeit wieder auseinander. An der Südküste Frankreichs unweit Ploumanach steht auf einem nur während der Ebbe zu- gänglichen Felsen ein auf vier römischen Säulen ruhen- der kleiner Schrein, der dem im 16. Jahrhundert dort gelandeten heiligen Quirec geweiht ist. Dieser Schrein steckt voll von Nadeln. Dasselbe kann man von der Statue des St. Laurence bei Quintin behaupten. Wenn hier die Stecknadel nicht gleich beim ersten Versuch fest- sitzt, wird aus der Heirath vorläufig noch nichts. So oft die ländliche Schöne fehlstößt, so viele Jahre muss sie auf „ihn“ warten. Manche der alten, wurmzerfressenen und von unzähligen Nadeln zerstochenen Holzfiguren ist in letzter Zeit durch ein steinernes Ebenbild des betreffen- den Heiligen ersetzt worden. Bei diesen Statuen be- gnügen sich die nach einem Mann Ausschau haltenden Pilgerinnen damit, ihre Stecknadelu am Fuß des Bild- werkes niederzulegen oder in die Erde zu ftecken. (Die theuerste Zeitung der Welt) ist die- jenige, die Klondyke nun seit einem Monat hat. Ge- druckt wird sie in der Hauptstadt Dawson. Unter dem Titel liest man die Worte: „The News, when it is News“ —- Neuigkeiten, wenn es welche gibt. Da die Verbin- dung zwischen Klondyke und der übrigen Welt eine nur sehr lockere ist, kann man in Dawson nur höchst felten etwas Neues erfahren, und die Leute dort interessieren sich schließlich auch herzlich wenig für das, was wir in Eurova treiben, — für sie haben Localnachrichten eine weit größere Bedeutung, z. B. folgende: „Keine Hungers- gefahr. 200,000 t mit Nahrungsmitteln sind auf dem Wege nach dem Yukon-District.“ Auch die Leitartikel sind ausschließlich praktischen und localen Fragen gewid- met. Da Verbrechen aller Art im Goldlande sehr häufig sind, ist die Rubrik „Vermischte Nachrichten“ sehr stattlich und inhaltsreich. Dem Sport wird ein besonderes Kapitel gewidmet. Die letzte Seite enthält Annoncen. Man findet dort z. B. die Reclame eines Warenhauses, das gute Reiseschuhe „zu dem ungewöhnlich billigen Preise von 80 Mk. für das Paar“ anbietet (an den „Ausnahme- tagen“ sind sie wahrscheinlich noch billiger). Wir sagten oben, daſs die „Dawsoner Neuigkeiten“ das theuerste Blatt der ganzen Welt find. Jede Nummer kostet näm- lich 1 Mk. Das Abonnement beträgt 80 Mk. für sechs Monate oder 140 Mk. für das ganze Jahr. Jeder Setzer erhält einen Tagelohn von — 100 Mk., sprich und schreibe: hundert Mark. Vom Büchertisch Mit vielen Schätzen reich beladen, so präsentiert sich uns wieder die neueste Nummer des bekannten illustrierten Universalblattes „Mode und Haus“ lag John Henry, Schwerin, Berlin.) Und in der That, was hier für billiges Geld geboten wird, bleibt unüber- troffen. Man beachte nur die ausgezeichneten, künstleriich ausgeführten Moden-Genrebilder des Haupiblattes, die mit Hilfe der jeder Nummer beiliegenden mustergiltigen Schnittbogen selbst die unerfahrenste Hausfrau befähigen, ihren Bedarf an Kostümen, Kinderkleidern. Wäsche und Hanoarbeiten mit eigener Hand herzustellen. Ferner machen wir auf die belletristifche Beklage mit ihrem illustrierten, spannenden Inhalt aufmerksam Arthur Zapp: die Liebesprobe; Carneval in Varis ꝛc.) außerdem auf Romanbeilage „Aus besten Federn“, „Illuſtrierte Kinder- welt“, die Handarbeiten-Vorlagen u. s. w. und wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir dieses Blatt als in seiner Art einzig dastehend bezeichnen. Mode und Haus“, österreich.=ungarische Ausgabe, 12 Specialblätter in sich vereinigend, ist mit achtseitiger Romanbeilage und pröchtigen Stahlstich-Colorits für nur 75 kr. vierteljährlich bei allen Buchhandlungen und Postanstalten erhältlich. Gratisprobenummern bei ersteren und der Hauptaus- lieferungsstelle für Oesterreich-Ungarn: Rudolf Lechner und Sohn, Wien I. Jasomirgottstr. 6. Angekommene Kurgäste: [Hotel Post. Herr Isidor Kaff, Agent aus Brünn Herr Alois Kamper aus Wien (Hotel Karlsbader Hof) Herr Ulrich von Schelling, Landrichter mit Gemalin Lina (Rother Adler) aus Düsseldorf Herr Louis Grellepois, Apotheker aus Lilienfeld (Weißer Herr Robert Müllauer, Landwirt aus Disselwethen, (Hotel Posi) Herr Alois Ludwig, Herr Josef Cerny aus Wien (Hotel Karlsbader Hof) Damast-Seiden-Robe 1.“ und höher! — 12 Meter! porto- und zollfrei zugesandt Muster umgehend; ebenso von schwarzer, weißer u. für- biger „Henneberg-Seide“ v. 45 kr. bil.1p. Met. 6. Henneberg, Seiden-fahrikant c. u. k. hot.) Zürich. Club- Local. Telephon Nr. Beste, billigste, reellste, bequemste Einkaufsquelle für Seifen, Kerzen und Parfumerien, alles richtigen Gewicht und zugewogen. Feifenfabrint Ernst Weingärtner. ausfra wird einen Versuch mit Schicht's neuer Bleichseise bereuen. 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